Kompetenzkapital –
Verbindungen zwischen Kompetenzbilanzen und Humankapital

    Wir erleben derzeit einen tief greifenden Wandel in der Bewertung von Bildung in doppeltem Sinne: Der Wert, der in der Bildung gesehen wird, wandelt sich und die wirtschaftlichen und inhaltlichen Bewertungsmaßstäbe von Bildung verändern sich.

Bildung wird heute zunehmend als Investition gesehen, die der Risikosteuerung und der verbesserten Chancennutzung für Innovationen und Wettbewerbsfähigkeit dient. Daher hat in der Bildungsdiskussion der Begriff der Kompetenz vielfach den des Wissens verdrängt. Gleichzeitig haben in den letzten Jahrzehnten die immateriellen Vermögenswerte, zu denen auch die Fähigkeiten und Kompetenzen der Mitarbeiter zählen, die materiellen Werte an Bedeutung überholt. Der Druck zum Schutz von Firmeninvestitionen in globalisierten Märkten wirkt sich auch so aus, dass nicht mehr nur individuelle Kompetenzprofile zur persönlichen Weiterentwicklung gefragt sind, sondern auch Kompetenzbewertungen zur Bewertung ganzer Unternehmen (Kompetenzkapital). Diese Entwicklungen werden auch von neuen Standards zur Berichterstattung über immaterielle Vermögenswerte aufgegriffen. Ab 2005 werden die International Accounting Standards (IAS) auch in Europa anzuwenden sein. Hier gibt es den IAS 38 zur Bilanzierung von „Intangible Assets“.

Der Aufbau dieses Buches folgt der Idee, dass individuelle Kompetenzmessung und Kompetenzentwicklung zusammenfinden müssen mit einer wirtschaftlichen Bewertung des Human- und Wissenskapitals. Bestehende buchhalterische Ansätze zur Bewertung des Wissenskapitals greifen jedoch zu kurz, weil sie kein umfassendes Verständnis von Kompetenzen zugrunde legen.

Zunächst werden daher Grundlagen zum Verständnis der aktuellen wissenschaftlichen Diskussion und der modernen betrieblichen Praxis gelegt. Einem einführenden Abschnitt zu Humankapital, Intellektuellem Kapital und Kompetenzbilanzen schließen sich zwei weitere an, die sich mit der wirtschaftlichen Bewertung der vor allem durch das Wissen und die Erfahrung der Mitarbeiter einer Firma eingebrachten immateriellen Vermögenswerte und zum anderen mit der personalen Kompetenzmessung und -entwicklung befassen. Der Hauptteil des Buches schließlich behandelt Ansätze zur Verbindung dieser beiden Aspekte des Humankapitals und individueller Kompetenzen in einem integrierten betrieblichen Kompetenzmanagement: Die personale Entwicklungssicht und die unternehmerische Bewertungssicht werden hier vor dem Hintergrund der Unternehmensziele zusammengeführt. Eine Verknüpfung dieser beiden Sicht- und Vorgehensweisen gelingt aber nur, wenn nicht unmittelbar personengebundenes Wissen oder buchhalterisch erfassbare „Intangible Assets“ im Mittelpunkt stehen, sondern umfassende Potenzialanalysen zur Anpassungs- und Ausbaufähigkeit vorhandener (Unternehmens-)Kompetenzen.


 
J. Hasebrook / O. Zawacki-Richter / J. Erpenbeck (Hg.):
Kompetenzkapital – Verbindungen zwischen
Kompetenzbilanzen und Humankapital
1. Auflage 2004
346 Seiten, gebunden, 45,00 EUR
ISBN 978-3-937519-17-3
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